Ich will nicht dein Englisch testen. Ich will den Menschen dahinter kennenlernen.
Du sprichst gut Englisch, fühlst dich dabei aber nicht wie du selbst? Erfahre, was dich zurückhält und wie du dich freier, selbstbewusster und authentischer ausdrücken kannst.
Warum gutes Englisch für mich viel mehr bedeutet als die Fähigkeit, eine Sprache zu sprechen.
In den letzten Jahren habe ich unzählige Gespräche mit Menschen geführt, die ihr Englisch verbessern möchten. Und dabei ist mir etwas immer deutlicher geworden: Das Englisch, das jemand spricht, widerspiegelt nicht unbedingt den Menschen, der dahintersteckt.
Ich habe unglaublich intelligente, humorvolle, kreative und erfolgreiche Menschen kennengelernt, die plötzlich zurückhaltend, unsicher oder ungewöhnlich ernst werden, sobald sie Englisch sprechen. Sie haben Meinungen, Geschichten, Erfahrungen und Ideen, die es wert sind, gehört zu werden. Doch irgendwo zwischen ihren Gedanken und den Worten, die sie aussprechen, geht etwas verloren.
Ihre Persönlichkeit tritt in den Hintergrund, ihre Gedanken werden vereinfacht und ihr Selbstvertrauen schwindet. Was bleibt, ist oft Frustration. Nicht unbedingt, weil ihr Englisch schlecht war, sondern weil sie sich nicht so ausdrücken konnten, wie sie es eigentlich wollten.
Und genau das interessiert mich an meiner Arbeit als Englisch-Coach. Nicht nur, wie gut jemand Englisch spricht, sondern wie viel von diesem Menschen tatsächlich zum Vorschein kommt.
Englisch sprechen ist nicht dasselbe wie sich auf Englisch ausdrücken.
Natürlich haben klassische Sprachtests ihre Berechtigung. Grammatik, Wortschatz, Aussprache und Genauigkeit sind wichtig. Aber sie beantworten nicht unbedingt die Fragen, die mich am meisten interessieren.
Kannst du deine Meinung ausdrücken, ohne ständig nach den richtigen Worten zu suchen? Kannst du jemanden zum Lachen bringen, widersprechen oder begeistert von etwas erzählen, das dir am Herzen liegt? Und vor allem: Wie fühlst du dich dabei?
Viele Menschen verfügen bereits über gute Englischkenntnisse. Trotzdem fühlt sich das Sprechen für sie nicht richtig an. Unter Druck fehlen plötzlich die Worte, sie greifen immer wieder auf dieselben Ausdrücke zurück oder sind so sehr damit beschäftigt, Fehler zu vermeiden, dass sie den eigentlichen Gedanken aus den Augen verlieren.
Ich nenne das den Expression Gap: die Lücke zwischen dem Menschen, der du bist, und dem Menschen, der beim Englischsprechen zum Vorschein kommt.
Was ich in einem Gespräch wirklich wahrnehme
Wenn ich jemanden kennenlerne, achte ich selbstverständlich auf sein Englisch. Aber ich möchte vor allem den Menschen kennenlernen, der es spricht.
Was passiert, wenn wir über etwas sprechen, das diese Person wirklich begeistert? Wird sie lebendiger? Traut sie sich plötzlich mehr zu? Gibt es Momente, in denen sie ihr Englisch vergisst und einfach das Gespräch geniesst?
Genauso spannend finde ich die Momente, in denen es schwierig wird. Versucht jemand, einen Gedanken anders auszudrücken, oder gibt er auf? Kann die Person über einen Fehler lachen, oder bringt sie ein falsches Wort völlig aus dem Konzept?
Solche Beobachtungen verraten mir unglaublich viel über das Selbstvertrauen, die Denkweise und die Beziehung eines Menschen zu seinem Englisch. Und oft entdecke ich dabei Entwicklungsmöglichkeiten, die ein gewöhnlicher Sprachtest niemals sichtbar machen würde.
Ich möchte nicht, dass du Englisch vorführst. Ich möchte, dass du dich am Gespräch beteiligst.
Eine der grössten Herausforderungen, die ich beobachte, ist die ständige Selbstkontrolle. Viele Menschen erleben englische Gespräche wie eine Prüfung. Während sie sprechen, überprüfen sie innerlich ihre Grammatik, hinterfragen ihre Wortwahl und machen sich Gedanken darüber, ob sie gerade einen Fehler gemacht haben.
Und während sie damit beschäftigt sind, ihre eigene Leistung zu beurteilen, geht etwas Entscheidendes verloren: das Gespräch selbst.
Ich finde das unglaublich schade. Denn Sprache soll Menschen verbinden. Sie ermöglicht uns, Gedanken, Wissen, Humor, Erfahrungen und Gefühle miteinander zu teilen. Natürlich spielt sprachliche Genauigkeit dabei eine wichtige Rolle. Aber sie sollte unsere Kommunikation unterstützen und nicht unsere gesamte Aufmerksamkeit beanspruchen.
Ich möchte Menschen dabei helfen, den Fokus von «Hoffentlich mache ich keine Fehler» auf «Ich habe etwas zu sagen» zu verschieben.
Manchmal braucht es dafür gar nicht mehr Englischwissen, sondern einfach eine andere Perspektive.
Ich liebe es, Menschen Feedback zu geben. Nicht, weil ich gerne Fehler korrigiere, sondern weil ich ihnen zeigen möchte, was sie selbst vielleicht noch gar nicht erkannt haben. Manchmal ist das eine Gewohnheit, die sie zurückhält. Manchmal eine Möglichkeit, sich klarer auszudrücken. Und manchmal die Erkenntnis, dass ihr Englisch bereits viel besser funktioniert, als sie glauben.
Ich bin überzeugt, dass eine meiner wichtigsten Aufgaben darin besteht, eine Umgebung zu schaffen, in der Menschen sich wohl genug fühlen, um wirklich sie selbst zu sein. Denn erst wenn ich verstehe, was jemand ausdrücken möchte, was ihm wichtig ist und was ihn daran hindert, kann ich ihn dabei unterstützen, sein Englisch gezielt weiterzuentwickeln.
Am Ende möchte ich nicht, dass jemand unser Gespräch verlässt und einfach weiss, welche fünf Grammatikfehler er gemacht hat. Ich möchte, dass diese Person ihre eigenen Fähigkeiten besser versteht, erkennt, was sie zurückhält, und wieder Freude daran findet, Englisch zu sprechen.
Denn letztlich geht es nicht nur darum, besser Englisch zu sprechen.
Es geht darum, sich beim Englischsprechen mehr wie man selbst zu fühlen.
Und deshalb möchte ich dein Englisch nicht einfach testen.
Ich möchte dich kennenlernen.